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Altfeld, Glasofen mit dem Weiler Eichenfürst, Michelrieth und Oberwittbach

Von den nach 1972 eingemeindeten Orten gehörten Altfeld, Glasofen mit dem Weiler Eichenfürst, Michelrieth und Oberwittbach jahrhundertelang zur Grafschaft Wertheim. In dieser Zeit teilten die Untertanen der Grafschaftsorte ein gemeinsames, von ihrer Herrschaft bestimmtes Schicksal.

Das Entstehen des Ortes Altfeld wird auf frühmittelalterlich-karolingische Zeit zurückgeführt, für möglich wird ein Bestehen von Glasofen ebenfalls in karolingischer Zeit gehalten; als hochmittelalterliche Rodungssiedlung werden das ursprüngliche Straßendorf Michelrieth und das als Platzweiler angelegte Oberwittbach betrachtet. Die Abtei Fulda und die Fulda zugeordnete Propstei Holzkirchen waren seit dem 9. Jahrhundert in diesem Raum bestimmende Kräfte. Hinzu kamen das seit 1102 bestehende Augustinerchorherrenstift Triefenstein und seit 1328 die Kartause Grünau. Seit dem 12. Jahrhundert setzten sich die Grafen von Wertheim als Vögte der in ihrem Herrschaftsbereich liegenden Klöster in den heute zu Marktheidenfeld gehörenden Grafschaftsorten fest und verleibten sie schrittweise und soweit möglich ihrer auf unterschiedlichen Rechten aufgebauten Herrschaft ein. Das Weistum von 1473 für Altfeld zeigt bereits eine ausgeprägte Dorfherrschaft der Wertheimer Grafen, während in Michelrieth und Oberwittbach im 14/15. Jahrhundert die Dorfherrschaft gemeinsam von Triefenstein und Wertheim ausgeübt wurde. Dem Stift Triefenstein angegliedert war das 1390 auf Initiative der Wertheimer Grafen aus der Pfarrei Kreuzwertheim herausgelöste Kirchspiel Michelrieth, zu dem die Marktheidenfelder Grafschaftsorte gehörten. Mit der gesamten Grafschaft wurde auch die Pfarrei Michelrieth nach 1522 für die Reformation gewonnen, allerdings vorübergehend (bis 1693) mit Kreuzwertheim wieder vereinigt. Das Aussterben der Grafen von Wertheim im Mannesstamm 1556 und die Auseinandersetzung der Erben um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert - in dieser Auseinandersetzung setzten sich die Grafen von LöwensteinWertheim durch - gefährdeten weder die Bindung an das evangelische Bekenntnis noch die Zugehörigkeit zur Grafschaft. Die Säkularisierung des Klosterbesitzes und der geistlichen Fürstentümer ermöglichte 1803 den Löwenstein eine Arrondlerung ihres Besitzes und ihres Kleinstaates. 1806 wurde jedoch dieser Staat aufgelöst und dem Fürstentum Aschaffenburg, dem späteren Großherzogtum Frankfurt, einverleibt; seit 1814 gehörten die Grafschaftsorte wie das Umland zu Bayern. Die Löwenstein blieben aber auch weiterhin bis 1848 die bestimmende Kraft.

Seit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges hatte in den Grafschaftsorten eine rasche Bevölkerungszunahme eingesetzt, mit der die im Mittelalter bestehenden Güter immer weiter aufgeteilt und zersplittert wurden. Im Jahr 1709 wurden in Altfeld die nachweisbaren neun alten Güter von 56 Untertanen bestellt; 25 Untertanen teilten sich die zwölf Güter in Oberwittbach, 24 bewirtschafteten die zahlenmäßig bisher nicht erfassten alten Güter in Glasofen; der auf eigener Gemarkung stehende Hof Eichenfürst war an vier Besitzer ausgegeben. In Michelrieth sind acht alte Güter nachweisbar; dem stehen 50 Häuser im Jahr 1785 gegenüber.

Die Besitzaufsplitterung führte zu außerordentlich schwierigen Betriebsverhältnissen, dennoch blieben die Orte ganz landwirtschaftlich geprägt, so dass es neben der Landwirtschaft nur landwirtschaftsbezogene Gewerbe gab. Die Flurbereinigungen seit den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts haben günstigere Betriebsverhältnisse geschaffen und gesichert, so dass die Landwirtschaft in den Grafschaftsorten auch weiterhin bestehen konnte. Die Landwirtschaft spielt heute noch eine Rolle in Oberwittbach, während in Michelrieth, in Glasofen und in Altfeld mit unterschiedlicher Intensität die Entwicklung vom Haupt- zum Nebenerwerb und mit dem Generationswechsel die Aufgabe des landwirtschaftlichen Betriebs einsetzten. In den heute noch landwirtschaftlich stärker bestimmten Orten stagnierte bereits im 19. Jahrhundert die Bevölkerungsentwicklung, während sich mit dem Übergang zur Nebenerwerbslandwirtschaft und dem Erschließen von Bau- und Gewerbegebieten eine rasche Bevölkerungszunahme vollzog und vollzieht. Am weitesten ist die Entwicklung in Altfeld und Glasofen fortgeschritten. Neben einem städtischen Kindergarten sind in Altfeld als dem Mittelpunkt der drei Grafschaftsgemeinden Altfeld, Michelrieth und Oberwittbach mit der Grafschaftshalle, einer Mehrzweck- und Sporthalle, die erforderlichen lnfrastrukturmaßnahmen geschaffen. Neben Wohngebieten wurden schon vor der Eingemeindung in die Stadt Marktheidenfeld Gewerbeflächen ausgewiesen, so dass sich Altfeld in den letzten Jahren zu einem bedeutenden Gewerbestandort entwickeln konnte, der zur Zeit einen großartigen Ausbau erfährt. Über große Wohngebiete verfügen auch die Stadtteile Michelrieth und Glasofen.

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