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Synagoge Urspringen

Die Jüdische Gemeinde in Urspringen

Die 1989-1991 renovierte Synagoge in der Urspringener Judengasse bezeugt nicht nur die Bedeutung der Jüdischen Gemeinde am Ort, sondern hat wegen ihres guten Erhaltungszustands und der zentralen Lage von Urspringen im Landkreis die Aufgabe übernommen, die Erinnerung an alle jüdischen Gemeinden im Landkreis und an die verschleppten und getöteten jüdischen Bürger des Landkreises zu sichern und zugleich in die jüdischer Kultur einzuführen.

Urspringen war nur eine der ehemals zahlreichen jüdischen Gemeinden des heutigen Landkreises Main-Spessart. 1933 bestanden jüdische Gemeinden noch in Adelsberg, Arnstein, Burgsinn, Gemünden, Heßdorf, Homburg, Karbach, Karlstadt, Laudenbach, Lohr, Marktheidenfeld, Mittelsinn, Rieneck, Thüngen, Urspringen und Wiesenfeld.

Im gemischtherrschaftlichen Urspringen (v. Castell, Voite v. Rieneck, Kottwitz v. Aulenbach, v. Dalberg und v. Ingelheim) sind jüdische Einwohner ab der Mitte des 16. Jahrhunderts nachgewiesen. Sie lebten nach Sonderrecht und unter Schutz der Dorfherrschaft und beeinflussten schon von ihrer Zahl her wesentlich das Leben der gesamten Gemeinde. 1655 gab es zwölf jüdische Haushalte mit 45 Personen, 1740 14 Schutzjuden (zwölf unter dem Schutz der Castell, zwei unter dem Schutz der Ingelheim). 1807 lebten 148 Juden in 33 Familien bzw. Haushalten, 1813 166 Juden (17,1 %) in Urspringen. Über 200 Personen und damit rund 20% der Gesamtbevölkerung betrug die jüdische Einwohnerschaft in Urspringen zwischen 1820 und ca. 1870, trotz der um die Mitte des Jahrhunderts starken Auswanderung in die USA (z. B. Heilner, Mosenfelder, Freudenreich). 1933 hatte die jüdische Gemeinde 78 Mitglieder. Ab 1935 und vor allem mit Vorkommnissen ab September 1938 und besonders nach den schweren Ausschreitungen der Reichspogromnacht nahm die Gemeinschaft stark ab. Im April 1942 wurden 42 jüdische Einwohner von Urspringen aus deportiert. Sie stellten damit das größte Kontingent einer jüdischen Gemeinde aus dem Gebiet des heutigen Landkreises Main-Spessart. Weitere vier Urspringener Juden wurden 1942 von Würzburg aus in die Vernichtungslager verschleppt. Die Deportation der Urspringener Juden 1942 - stellvertretend für die Juden der Kreisgemeinden und aus Unterfranken - hat die von dem Darmstädter Künstler Cornelis F. Hoogenboom gestaltete Türe der Synagoge zum Thema.

Wie jede jüdische Gemeinschaft einer gewissen Größe besaß die Urspringener Judenschaft alle zum Kultus erforderlichen Einrichtungen: eine Synagoge, die sogenannte Judenschule und die Mikwe, das jüdische Ritualbad. Die Verstorbenen wurden auf dem nicht weit entfernten Verbandsfriedhof in Laudenbach beerdigt.

Eine Synagoge ist ab 1702 belegt. Im frühklassizistischen Stil wurde die Synagoge im Jahre 1803 an der Stelle eines kleineren Fachwerkbaus des 17. Jahrhunderts in der Judengasse bzw. dem Judenhof, wo sich jüdischer Besitz konzentrierte, errichtet. Allem Anschein nach fanden beim Bau der Synagoge Steine aus dem 1802 abgebrochenen Teil des Urspringener Schlosses Verwendung.

Die 1932 renovierte Synagoge wurde am 10. November 1938 aufgebrochen und geschändet; jüdische Betstunden waren von da an verboten. Die Ritualien konnten versteckt bis 1945 bewahrt werden; ihre Spuren verlieren sich erst dann.

Neben Synagoge und Badehäuschen - 1826 in der Quellenstraße neu errichtet - unterhielt die jüdische Kultusgemeinde, die größte Kultusgemeinde im Altlandkreis Marktheidenfeld, zwischen 1829/30 und ca. 1916 in dem der Synagoge benachbarten Anwesen eine eigene Volksschule. Besonderheiten sind die jüdische Gemeindebibliothek und die Zweigstelle des Jüdischen Nationalfonds (Keren Kajemet le Israel).

Die Urspringener Synagoge

Die Urspringener Synagoge als orthodoxe Landsynagoge war innen vor 1860 ganz auf die Bima (Almemor), das Podest mit dem Vorlesepult in der Mitte des Raumes, und damit auf die Anwesenheit und Lesung der Tora, der Heiligen Schriftrollen, als Zentrum jüdischen Lebens und Gottesdienstes ausgerichtet.

Die Männer folgten dem Verlauf des Gottesdienstes und der Verlesung der Tora von mobilen Stehpulten aus, die entlang der Wände standen. Die Frauen beteten beim Gottesdienst, von den Männern abgesondert, auf der Frauenempore, die durch einen besonderen Eingang betreten wurde.

1860 wurden der Aufgang zum Toraschrein und die ursprüngliche Sitzordnung aus Platzgründen verändert. Damit erhielt der Raum eine kirchenschiff-ähnliche Ausrichtung auf den Toraschrein an der Südost-Wand (Richtung Jerusalem), dem Aufbewahrungsort für die heiligen Schriftrollen. Aus ihnen wurde beim Gottesdienst von einem hölzernen Schrägpult aus vorgelesen, das sich auf dem die Raummitte beherrschenden Sandsteinpodest befand. Der Schrein zeigt unübersehbar die Spuren der gewaltsamen Zerstörung. Die Wandnische, die mit einer Holztäfelung verkleidet und mit einer Tür verschlossen war und die Heiligen Schriftrollen barg, ist nur noch im baulichen Rohzustand erhalten. Das ewige Licht und der Vorhang vor dem Schrein sind zerstört bzw. verschollen.

Links vom Haupteingang befand sich ein Wasserbecken für die rituelle Handwaschung vor dem Gottesdienst. In die Sandsteinbrüstung des Aufgangs zum Toraschrein und in das an den Wänden umlaufende Sandsteingesims waren eiserne Dornen für die Kerzen eingelassen, die man zum Todestag eines Verwandten (Jahrzeit) und am Versöhnungstag (Jom Kippur), zum Gedenken an die Verstorbenen, sowie am achttägigen Tempelweihe- oder Lichterfest »Chanukka« entzündete.

An der Südwestwand außen ist der Hochzeitsstein (Chuppastein) angebracht.

 

 
 

Bima, Chuppastein und Thoraschrein der Synagoge Urspringen nach der Sanierung (Fotos: Ernst Hanel)

Um rituelle Gegenstände dem unbefugten Zugriff der nichtjüdischen Umwelt zu entziehen, wurden diese häufig als Geniza auf den Dachböden der Synagogen und Lehrhäuser verborgen. Der Urspringener Geniza, bei der Vorbereitung der Sanierung 1988 im Dachraum aufgefunden, verdanken wir wichtige Kenntnisse vom früheren Leben der Urspringener Juden. Die auf der Frauenempore aufgebaute Geniza–Ausstellung stellt daher in ausgewählten Objekten das Leben in einer orthodoxen Landgemeinde vor.


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Besichtigungtermine

Die Synagoge ist vom ersten Sonntag im Mai bis zum letzten Sonntag im Sept. jeweils von 15.00 h bis 17.00 h geöffnet.
Für Gruppen können Besichtigungstermine über die Gemeinde Urspringen (Tel. 09396/ 385) vereinbart werden.

Der Förderkreis Synagoge Urspringen

Der 1990 mit tatkräftiger Unterstützung der Historischen Vereine von Gemünden, Karlstadt, Lohr und Marktheidenfeld gegründete Förderkreis Synagoge Urspringen hat die Betreuung der Synagoge und der Ausstellung übernommen. Mit Sonderausstellungen, Vorträgen und Veröffentlichungen will er zugleich anregen zur Auseinandersetzung mit jüdischer Geschichte und Kultur als Jahrhunderte langem festen Bestandteil der Geschichte Unterfrankens und des Landkreises Main-Spessart.


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Der Förderkreis freut sich über Ihren Besuch in Urspringen und Ihr Interesse an jüdischer Kultur in Franken; freuen würde er sich auch über Ihre Unterstützung.

Auf unsere Veranstaltungen und besonders auf unsere Veröffentlichungen dürfen wir Sie hinweisen.

1. Vorsitzender: Dr. Leonhard Scherg, Marktheidenfeld
2. Vorsitzender: Martin Wagner, Erlenbach

Sie können den Förderkreis unter folgender Anschrift erreichen:

Förderkreis Synagoge Urspringen e.V.
1. Vorsitzender Dr. Leonhard Scherg
Am Hollerbusch 12
97828 Marktheidenfeld
E-Mail:
leonhard.scherg@bnmsp.de

Die Fotos in den Diashows Karbach, Urspringen und Förderkreis sind dankenswerter Weise von Martin Harth zur Verfügung gestellt worden

  
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